Sardinien 2012

Ein unvergesslicher Törn im Mittelmeer

 

"Zwölf Meter, neun Meter, acht Meter. Stopp! Anker raus!" Zeit zum Relaxen, Baden und Schnorcheln…Bilderbuchbuchten, einsame Strände, türkisfarbenes, glasklares Wasser, wilde, zerklüftete Felsformationen und verträumte Hafenstädtchen: Die Küsten Sardiniens und Korsikas waren Ende Juni das atemberaubende Revier für den ersten Segeltörn im Mittelmeer der BSG Segeln - und beste Voraussetzungen für vier Mitglieder der Zurich Segelsportgruppe, einen unvergesslichen Urlaub auf einem Segelboot zu verbringen.

Erster Mittelmeer-Törn der BSG

"Ich habe mich sehr gefreut, dass wir seit Gründung unserer BSG Segeln nun auch einen Segeltörn im Mittelmeer anbieten konnten", so Silvia Müschen-Hackemann, Leiterin Professional Market Unit Management, auf deren Initiative die BSG Segeln vor fünf Jahren gegründet wurde. Nach diesem schönen Erfolg sei auch für nächstes Jahr wieder ein Mittelmeer-Törn geplant, viele Interessenten hätten schon gefragt, verrät die Segelsportbegeisterte und Organisatorin der diesjährigen Segelreise.

Auf zum Maddalenen-Archipel

In Portisco, unserem Ausgangshafen, zwölf Kilometer nördlich von Sardiniens Hauptstadt Olbia, entern wir unsere Segelyacht und gleichzeitiges Zuhause für eine Woche mit dem Namen "After You" - eine Bavaria 38, 11,72 Meter lang, 3,90 Meter breit und 1,95 Meter Tiefgang. Nach einer gründlichen Schiffseinweisung durch unseren erfahrenen Skipper geht es los - hinaus aufs offene Meer, Richtung Norden entlang der "Costa Smeralda". Segeln zum Anfassen und Miterleben. Es weht eine leichte Brise und wir setzen die Segel. Es dauert nicht lange, da breitet sich bereits ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer aus. Die Crew entscheidet sich gemeinsam für einen ersten Badestopp im "Golfo Pevoro", einer traumhaften Bucht - das dann auch heißt: Erstes Ankermanöver. Alles geht gut und wir lassen die Badeleiter hinab…

Am frühen Abend, nach 17 Seemeilen, erreichen wir den Naturhafen des Inselstädtchens La Maddalena der gleichnamigen Insel und schlafen nach einem Stadtbummel mit Kneipenbesuch und Eisessen zufrieden in unseren Kojen ein. Nach einem stärkenden Frühstück unter blauem Sommerhimmel nehmen wir Kurs zum Maddalenen-Archipel, dem berühmten Nationalpark: Hier ist jede Bucht eine Wucht! Mit unserer "After You" ersegeln wir bei schwachem Wind Naturschönheiten, an denen sich das Auge nicht satt sehen kann. Einfach nur traumhaft, karibisches Flair pur! Und auch hier genießen wir in einer Bucht den Sprung ins erfrischende, smaragdgrüne Mittelmeer.

Kurs nach Korsika - Bonifacio

Anschließend wollten wir eigentlich die Ostküste von Korsika "entdecken" und zur Rontario-Bucht segeln, da wir aber Ostwind haben, wäre die Bucht ungeschützt, so beschließen wir den Plan zu ändern und nach Südkorsika zur Hafenstadt Bonifacio zu segeln. Mittlerweile sind wir eine eingespielte Crew und jeder "darf" ans Steuerrad. Mit allem, was Wind und Segel hergeben, steuern wir auf den "Höhepunkt" Südkorsikas, die südlichste Stadt Frankreichs, zu. Schon vom Boot her, ist die Sicht auf Bonifacio großartig. Architektur und Natur vereinen sich zu einem grandiosen "Bühnenbild". Wir sind sprachlos: Eng gestapelte Altstadthäuser quetschen sich halsbrecherisch auf rund 80 Meter hohe Kreidefelsen. Manche Häuser ragen sogar hier und da über das Meer hinaus.

Zwischen steil abfallenden Felswänden öffnet sich die Einfahrt zum fjordartigen Hafen. Vorbei an stolzen Befestigungsanlagen, tuckern wir auf die kleine, wuselige Marina zu. Nun übernimmt unser Skipper das Steuer, denn zwischen querenden Fähren, Segelbooten und Fischkuttern die Übersicht zu behalten, erfordert Ruhe und seemännische Erfahrung. Dann haben wir es geschafft und dürfen unter Anweisung des "Hafensheriffs" im Päckchen an einen Katamaran anlegen.

Jetzt ist erst einmal Zeit für einen "Anleger" und wir stoßen mit einem kühlen Bier an und machen uns danach auf, Bonifacio kennen zu lernen. Unser Ziel: die Oberstadt. In Felsen geschlagene, steile Treppen führen uns hinauf und wir werden mit einem fantastischen Blick auf den Hafen und unsere Segelyacht belohnt. Wir laufen kreuz und quer durch die quirligen Gässchen, bis wir ein uriges Lokal gefunden haben, wo sogar die Männer einen Blick auf das Weltmeisterschafts-Fußballspiel Kroatien-Spanien werfen können. Der Abend klingt dann an Deck aus und wir genießen die ausgelassene, mediterrane Stimmung im Hafen.

Zurück an Sardiniens Nordküste

Nach einer Katzenwäsche und einem schnellen, aber dennoch leckeren Frühstück an Deck lösen wir alle Leinen und fahren unter Motor aus dem Hafen hinaus. Wieder strahlt die Sonne vom postkartenblauen Himmel. Und wir freuen uns, "draußen" Segel zu setzen. Wir nehmen Kurs auf die Küste Nordsardiniens - nach Capo Testa - einem vorspringenden Granitfelsen mit traumhaften Buchten drum herum. Leider schläft der Wind ein und die Sonne brennt. So beschließen wir, Segel runter und kurzer Badestopp bei circa 70 Meter Wassertiefe. Unser Skipper lässt uns an einer Sicherungsleine mit Boje ins Wasser. Ein tolles Gefühl beim Blick durch die Taucherbrille, wenn sich die Sonnenstrahlen wie Laserstrahlen im tiefen Blau spiegeln. Nach elf Seemeilen ankern wir zur Übernachtung in "unserer Bucht" Capo Testa. Wir sind nicht allein, zehn weitere Segelyachten gesellen sich für die Nacht dazu.

Das Meer ist spiegelglatt, als wir am nächsten Morgen aufwachen. Wir gehen erst einmal schwimmen. Danach gibt es Frühstück, der Abwasch wird erledigt und das Boot klar gemacht. Unsere Handgriffe sind eingespielt, wir sind ein gutes Team. Auf zur nächsten Segeletappe: Außerhalb der Bucht gibt es Wind, guten Wind sogar. So entscheiden wir, Castelsardo, ein kleines Küstenstädtchen, südliche Richtung, anzusteuern - circa 30 Seemeilen entfernt.

Wir beobachten auf einmal, wie sich das Meer ein Stück vor unserer Yacht dunkelblau färbt. Wir vermuten ein Windfeld. Unser Skipper reagiert blitzschnell, refft die Segel - und als uns heftige Windböen treffen, lässt sich das Boot leicht auf Kurs halten. Am Abend liegen wir traumhaft im kleinen Hafen von Castelsardo. Wir sind nicht zu müde, noch die verwinkelte, historische Altstadt mit seinem aus dem 12. Jahrhundert alten Kastell zu erkunden. Das Panorama verrät, weshalb die Genuesen einst auf dem steilen Felsvorsprung ihre Festung errichtet haben: Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über die Meeresenge zwischen Sardinien und Korsika.

Abschied nach 137 Seemeilen

Wir legen früh ab, Kurs 40 Grad. Bei Wind aus West machen wir sechs Knoten. Das Segeln ist heute purer Genuss. Noch zwei Tage, denken wir, dann ist unser Segelurlaub leider vorbei. Weitere verträumte Buchten zum Baden und Schnorcheln erwarten uns. Unser Boot gleitet zwischen Meer und blauem Himmel an einer idyllisch-abwechslungsreichen Küstenlandschaft vorbei. Die Zeit auf dem Wasser unter bauschenden, weißen Segeln genießen wir in vollen Zügen. Nach sechs Tagen nähern wir uns unserem Ausgangshafen Portisco. Dort angekommen, warten bereits unzählige Boote vor dem Hafen. Geduld ist gefragt. Dann endlich mit einigen Anlegmanövern liegen wir wieder am Kai O. Am Abend, in einem netten, proppevollen Lokal, lassen wir uns kulinarisch und sportlich verwöhnen. Die Stimmung ist wunderbar, denn auch hier wird Fußball geschaut und wir freuen uns, dass Deutschland gegen Griechenland ins Halbfinale einzieht. Was für ein perfekter Segeltörn!

Am nächsten Tag frühmorgens übergeben wir unser Schiff nach insgesamt 137 Seemeilen und nehmen Abschied von unserem liebgewonnen, schwimmenden Domizil "After You" - von Sardinien und dem Mittelmeer. Wir sind uns einig, dass die Zurich Segelsportgruppe uns allen einen unvergesslichen Segelurlaub ermöglicht hat

schruben Jeannette Fritsch und Martina